Maya-Gemeinden der Halbinsel Yucatán streben Bündnis an

13. Dezember 2017

(Mexiko-Stadt, 13. Dezember 2017, npl).- „Wir wollen ein würdiges Leben auf unseren Böden“, erklärt die Maya-Imkerin Leydy Aracely Pech Martin auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Vertreter*innen von mehr als 30 Gemeinden aus der gesamten Halbinsel Yucatán. Die Maya-Gemeinden kündigen Anfang Dezember in der Stadt Campeche ein gemeinsames Bündnis an. Sie wollen einen eigenen Entwicklungsplan für die Region erarbeiten, der ihren Lebensformen entspricht, nachhaltig ist und künftigen Generationen eine lebenswerte Perspektive liefert. Konkret sprechen sie sich gegen geplante Megaprojekte wie große Wind- und Solarparks sowie den Anbau von Gentechnikpflanzen in den Bundesstaaten Campeche, Quinta Roo und Yucatán aus, die zusammen die Halbinsel ausmachen. Die Frauen und Männer machen klar, dass sie an allen Entscheidungen, die ihre Territorien und Gemeinden betreffen, beteiligt sein wollen.

Mobilisierung der Gemeinden erfolgreich

Gerade erst haben die Maya-Gemeinden einen wichtigen Erfolg errungen, der ohne ihre konstante Mobilisierung kaum denkbar gewesen wäre. Das mexikanische Landwirtschaftsministerium (Sagarpa) mit seiner zuständigen Abteilung für „Gesundheit, Unbedenklichkeit und Qualität im Agrar- und Ernährungssektor“ (Senasica), widerrief die vom Ministerium selbst vor fünf Jahren erteilten Genehmigungen für den kommerziellen Anbau von Gensoja in allen sieben Bundesstaaten, für der Monsanto-Konzern entsprechende Anträge gestellt hatte. Davon betroffen sind alle drei Bundesstaaten der Halbinsel Yucatán.

Dort hatten die Mayas zusammen mit anderen Organisationen bereits die teilweise Suspendierung des Anbaus erreicht. Das dennoch illegal das Soja-Gensaatgut auf die Felder gebracht wurde, war ein wichtiges Argument für die Kehrtwende von Senasica. Nachdem die Behörde die letzten anderthalb Jahre mit dem Versuch verbrachte, die Befürchtungen der Maya-Gemeinden zu zerstreuen, hat sie diese in ihrem Beschluss nun faktisch bestätigt.

Illegaler Vertrieb von Gensaatgut: Forderung nach strafrechtlichen Konsequenzen 

Die Gemeinden trauen dieser Kehrtwende jedoch nur bedingt. In einer gemeinsamen Pressemitteilung begrüßen sie bei ihrem Auftritt vor der Öffentlichkeit den Widerruf als „wichtigen Fortschritt“ und „Ergebnis des Kampfes der Gemeinden für ihr Territorium“. Sie weisen aber unter anderem darauf hin, dass vor fünf Jahren die Empfehlungen von drei anderen Regierungseinrichtungen gegen den Anbau von Gensoja buchstäblich in den Wind geschlagen wurden.

Zudem gehe die aktuelle Entscheidung nicht auf die weiteren bereits sichtbaren Konsequenzen des Gensoja-Anbaus in der Region ein: Rasante Entwaldung, massive und unkontrollierte Anwendung von Agrargiften mit einhergehender Wasserkontaminierung sowie Schäden für die Imkerei und die menschliche Gesundheit. Der Widerruf der Genehmigungen dürfe sich nicht auf eine Verwaltungsmaßnahme gegen das Unternehmen Monsanto beschränken. Es müsse – auch strafrechtlich – gegen die gesamte Vermarktungskette des illegal vertriebenen Gensaatgutes ermittelt werden.

Die indigenen Gemeindevertreter*innen fordern außerdem, jegliche Befragungsprozesse zur Gensoja in den Maya-Gemeinden zu suspendieren, bis der Widerruf der Genehmigungen endgültig sei. Wie bei früheren Gelegenheiten weisen sie auf die zahlreichen Unregelmäßigkeiten bei diesen Konsultationen, die Nichteinhaltung von Absprachen und die offene Parteinahme durch Regierungsinstanzen zugunsten Monsantos hin. Die bereits entstandenen Schäden am kulturellen Erbe und der Umwelt müssten mit einer „koordinierten Aktion des mexikanischen Staates“ wieder behoben werden. Die staatlichen Instanzen hätten die Pflicht, die Rechte der Mayas als autochthones Volk über ihr Territorium und auf eine gesunde Umwelt, Gesundheit, Autonomie und Selbstbestimmung zu garantieren.

“Lebendig und geeint”

Bisher ist die Gensoja noch das beherrschende Thema des Bündnisses. Ein in Eigenregie erarbeiteter Entwicklungsplan liegt noch in der Ferne und wird kaum einfach so gegen staatliche Instanzen durchzusetzen sein, die die Agroindustrie und Megaprojekte als ultimative Entwicklung begreifen.

Doch die Maya-Gemeinden „sind lebendig und geeint“, wie es einer der Teilnehmer auf der Pressekonferenz sagte. Manuel Puc, aus dem Landkreis Bacalar im Bundesstaat Quintana Roo fügte hinzu: „Wir werden entscheiden, was wir mit unserem angestammten Erbe“ machen. Im vergangenen September erklärte Leydy Pech während einer Rundreise in Europa, der Kampf gegen die Gensoja habe die Maya-Gemeinden dazu gebracht, über ihre Rolle und ihr Territorium insgesamt nachzudenken. Da sei „etwas in Gang gekommen“. Das scheint so zu sein.

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